Langschwanzedelsittich / Psittacula longicauda
engl.Name:
Long-tailed Parakeet
Verbreitungsgebiet:
Auf den Halbinseln Malaysia, Sumatra, Borneo auf den Andamanen und Nikobaren sowie einigen kleineren Inseln.
Allgemeines:
Neben der Nominatform gibt es noch 4 Unterarten. Die Größe variiert von 42 bis 48 cm. Die Unterscheidungsmerkmale zwischen den einzelnen Unterarten sind sehr gering und man sollte bei evtl. Verpaarungen die Literatur zu Rate ziehen, um hier keinen Fehler zu machen. Die Heimat der Langschwanzedelsittiche ist die Malaiische Inselwelt. Die Nominatform lebt hauptsächlich auf Sumatra, Borneo und auf der malaiischen Halbinsel. Die Unterarten werden hauptsächlich auf kleinen Inseln in diesem Gebiet angetroffen. Er ernährt sich in freier Wildbahn vorwiegend von kleinen Samen, Früchten, Beeren, Blüten und Knospen. Langschwanzedelsittiche waren nie häufig in unseren Volieren anzutreffen. Die Importe in den 70 er und 90 er Jahren nach Holland und Deutschland, beliefen sich auf wenige Stückzahlen. In der Quarantäne traten dann noch häufig große Verluste ein, so das nur wenige Vögel in diesen Jahren aber leider auch noch heute, bei den potentiellen Edelsittichzüchtern anzutreffen sind. Importierte Wildfänge erwiesen sich in der Vergangenheit als wärmebedürftig und stressanfällig, auch bereitete die Futterumstellung große Probleme. Die Paarzusammenstellung stellt die Halter heute noch vor große Probleme; da häufig nur Männchen angeboten werden. Die Welterstzucht gelang somit auch erst 1970 in Simbabwe.1979 wurde von einer erfolgreichen Naturbrut aus Dänemark berichtet. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren nur 5 Naturbruten bekannt geworden. Meist waren es nur ein oder zwei Vögel die auf die Stange kamen. In der Nachzuchtstatistik der AZ für die Jahre 1984 bis 1999 wurden 13 Jungvögel gemeldet, die jedoch überwiegend durch Handaufzuchten auf die Stange kamen. Die Zucht der Langschwanzedelsittiche bereitet auch heute noch große Schwierigkeiten.
Zucht:
Ich berichte nun von den Zuchtversuchen die ich teilweise als Urlaubsvertretung bei meinem Züchterkollegen H. Adamczik (3258) begleiten durfte. Das Zuchtpaar, ein geschlossen beringtes Männchen und Weibchen aus Südafrika, entschloss sich in jedem Jahr im Gegensatz zu den sonstigen Edelsittichen immer sehr spät zur Brut. Die Balz des Männchens ist vielfältig und ein imponierender Anblick. Erste Tretakte konnten bereits im Mai beobachtet werden, doch erst am 26.07.01 lag das erste Ei im Nistkasten. Im Abstand von 2 Tagen legte das Weibchen insgesamt 9 Eier. Das war sehr ungewöhnlich, denn normal wird von 2 – 4 Eier berichtet. Nach dem 3. Ei entfernte H.Adamczik die nachfolgenden Eier und ersetzte diese durch Kunsteier. Die entfernten Eier wurden in einem Brutgerät angebrütet. Leider waren nur 3 Eier befruchtet. Das Weibchen war nach dem 3. Ei überwiegend im Nistkasten und brütete anscheinend fest, denn die Eier waren warm. Die Kunsteier wurden nun ausgetauscht und das Weibchen brütete fest und ausdauernd. Am 17.08 schlüpfte der erste Vogel und wurde gut und reichlich von dem Weibchen gefüttert. Das Männchen befand sich während meiner Beobachtungen in der Außenvoliere und ging sofort an den Futternapf, wenn ich die Vögel mit Futter versorgte. Am 22.08 schlüpfte der 2. Vogel. Auch ungewöhnlich, denn normal ist ein Abstand von 2 Tagen. Mit Sicherheit waren die restlichen beiden befruchteten Eier erst später gelegte Eier. Am 24.08 schlüpfte das 3. Junge. Leider stellte ich dabei den Tod des am 22.08.geschlüpften Jungen fest, untergewühlt in der Einstreu aus Kleintierspänen mit leerem Kropf. Der 3. Jungvogel wurde vorsichtshalber zur Handaufzucht aus dem Nest genommen. Der erst geschlüpfte Jungvogel wuchs rasant und ich musste den Vogel bereits am 23.08. nach 6 Tagen beringen. Vorgeschrieben sind 5,5 mm Pflichtringe vom BNA. Ich hatte Mühe den Vogel zu beringen doch mit etwas Öl ging der Ring gerade noch über die Zehen. Der zur Handaufzucht entnommene Jungvogel verstarb leider am 3. Tag. Der erste Jungvogel entwickelte sich nunmehr prächtig und stand kurz vor dem Ausfliegen. Da der Ring sich nur noch schwer bewegen ließ, entschloss sich H. Adamczik der gerade aus dem Urlaub zurückkehrte den Ring von einem zu Besuch weilendem Tierarzt entfernen zulassen. Jetzt wird es tragisch, denn auch der 3. Jungvogel verstarb leider in der Narkose. Vermutlich war die Dosierung des Narkosemittels viel zu stark. Bemerken möchte ich noch das der Brutkasten ein gewöhnlicher Bretterkasten war, das Weibchen nahm Nistkastenkontrollen nie übel. Wie groß die Enttäuschung bei mir und meinem Zuchtkollegen war, können Sie sich sicherlich vorstellen. So hofften wir auf das nächste Zuchtjahr.
In 2002 konnten wir bereits im April erste Kopulationen beobachten. Wir waren überrascht, als vom 10.5. bis zum 24.5 insgesamt 9 Eier gelegt wurden. Leider waren auch diesmal nur 3 Eier befruchtet. Nach einer Brutdauer von 24 Tagen schlüpfte der erste Jungvogel. Die beiden Jüngeren schlüpften im Abstand von 6 Tagen, wurden jedoch nicht angefüttert und verstarben. Leider war der Jungvogel nach dem Ausfliegen aus dem Nistkasten bei seinen ersten Flugversuchen sehr ungestüm und es kam wie es fast kommen musste. Mit einer Kopfverletzung lag der Jungvogel nach 2 Tagen tot in der Außenvoliere.
So endete der 2. Zuchtversuch wie im Jahre 2001 ebenfalls mit einem negativen Ergebnis und unser Frust war recht groß.
Zu allen Überfluss verstarb im Herbst auch noch ohne erkennbare Krankheitssymptome das Weibchen. Nach zahlreichen Telefonaten konnte ein Weibchen (Wildfang) ohne Altersangaben beschafft werden. Laut Importunterlagen musste das Weibchen jedoch bereits 11 Jahre alt sein. Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Naturbrut in 2003 war klein, da das Weibchen in 9 Jahren bei dem Vorbesitzer keinerlei Brutversuche unternommen hatte.
Von Anfang an harmonierte das neu zusammengesetzte Paar vorzüglich. Nie kam es zu Streit oder Beißereien. Gespannt erwarteten wir das Zuchtjahr 2003 und sollten dieses mal nicht enttäuscht werden.
Anfang Februar wurde die Zufütterung von Keimfutter gemischt mit Aufzuchtfutter (Eifutter) erhöht. Auch wurde nun die tägliche Menge an Obst und Gemüse erhöht.
Mitte April wurden die ersten Fütterungsversuche durch das Männchen beobachtet. Auch kam es zu ersten Paarungsversuchen. Als Nistkasten wurde ein gewöhnlicher Bretterkasten in den Maßen 45x22x30 cm ausgewählt. Das Einschlupfloch hatte einen Durchmesser von 7 cm. Der Boden wurde mit Kleintiereinstreu bedeckt. Der Nistkasten wurde in der Innenvoliere in 2 m Höhe angebracht. Schnell wurde der Nistkasten von dem Weibchen angenommen, denn bei Kontrollen konnte öfters beobachtet werden, das diese aus dem Nistkasten kletterte. Scheinbar sind die Langschwanzedelsittiche in der Auswahl ihrer Brutkästen nicht wählerisch, denn auch das erste Weibchen nahm diesen Kasten schon bereitwillig an. Am 9.6 wurde das erste Ei gelegt und die Freude war groß, als bis zum 24.6. noch 7 weitere folgten. 6 Eier waren befruchtet wie nach dem Durchleuchten festgestellt wurde. Die unbefruchteten Eier wurden wegen der Gelegegröße vorsorglich entfernt.
Im Zeitraum vom 2.7.-13.7.2003 schlüpften im Abstand von 2 Tagen 6 Jungvögel. Leider verstarben die zuletzt geschlüpften Vögel schon nach einem Tag. Offensichtlich wurden diese nicht angefüttert, der Zeitraum zu den erst geschlüpften war natürlich auch sehr groß. Die Jungvögel wurden nunmehr vorzüglich von dem Weibchen mit Futter versorgt und der Bedarf an Aufzuchtfutter war groß. Bei jeder Kontrolle hatten die Jungen einen prallen vollen Kropf. Nistkastenkontrollen wurden von dem Weibchen nie übel genommen. Nie verließ diese freiwillig den Nistkasten, ja man musste sie sogar von den Eiern oder den Jungvögeln heben, um diese zukontrollieren. Das Weibchen verließ in den nächsten 4 Wochen nur zur Futteraufnahme und zum Koten den Nistkasten. Die Fütterung durch das Männchen die nur in der Außenvoliere erfolgte, wurde ergänzt durch eigenständige Futter und Wasseraufnahme. Das Männchen suchte erst in der letzten Woche der Nestlingszeit den Nistkasten auf, um seine Jungen zu versorgen oder sein Weibchen auch im Nistkasten zufüttern.
Wie alle Edelsittiche werden die Langschwanzedelsittiche nackt und mit geschlossenen Augen geboren. Nach 9 Tage öffnen die Jungvögel die Augen. Nach ca. 3 Wochen öffnen sich an den Flügeln und dem Schwanz die ersten Federkiele. Nach und nach wachsen am gesamten Körper die Federn und mit ca. 6 Wochen sind die Jungvögel befiedert.
Die Kopffarbe der Jungvögel ist grün mit einem leichten orangeroten Fleck. Die Schnabelfarbe ist braun, die Schwanzfedern kürzer. Im Alter von 8-10 Tagen wurden die Jungvögel nunmehr nach den negativen Erfahrungen in 2001 statt mit 5,5 mm Ringen, mit 6,5 mm Pflichtringen beringt. Diese Größe verhindert zum einen das der Ring abgestreift werden kann, zum anderen jedoch das der Ring im Fuß einwächst.
Am 1.9.2003 verließ der erste Jungvogel den Nistkasten, seine Geschwister folgten in den nächsten 8 Tagen. Mit größter Vorsicht näherte sich H. Adamczik nun in den nächsten Tagen der Voliere mit den ausgeflogenen Jungvögel. Doch Gott sei Dank, die Jungen waren nicht so schreckhaft, wie der einzelne Jungvogel in 2002. Nunmehr fütterte auch das Männchen seinen Nachwuchs. In den nächsten 14 Tagen wurden die Jungvögel in Ihren Flugversuchen immer sicherer. Auch konnten wir beobachten, das die Jungvögel sich öfters an den Futternäpfen und Trinkgefäßen aufhielten und Futter und Wasser aufnahmen. Das betteln nach Futter bei den Elterntieren hielt noch einige Wochen an. Nie kam es zu Zank oder Streitereien zwischen dem Männchen und seinem Nachwuchs. Es ist ein wunderschönes Bild, wenn man die gesamte Vogelfamilie auf der Stange sitzen sieht. Am 1. November wurden die Jungvögel von den Eltern entfernt und zogen in eine eigene Voliere. Vorsorglich wurde gleichzeitig eine Wurmkur durchgeführt.
Fütterung:
Als Aufzuchtfutter wurden in angekeimten Zustand Erbsen, Linsen, Mungobohnen, Sonnenblumen, Kardi und Buchweizen mit Cede gemischt. Diese Mischung wird mit geraspelten Möhren, Paprika, Äpfel, Kiwi, Fenchel und Zucchini in angefeuchteten Zustand angereichert. Täglich wird diese Futter frisch aufbereitet und verfüttert. Ganzjährig steht den Vögeln ein Trockenfutter aus Glanz, Hirse, Hafer, Weizen Buchweizen, Sonnenblumen, Negersaat, Kardi, Gerste und Paddyreis zur Verfügung.
Haltung und Unterbringung:
Die Langschwanzedelsittiche sind bei H. Adamczik in einer kombinierten Innen/Außenvoliere ganzjährig untergebracht. Die Außenvoliere ist 4,00 m lang, 1,00 m breit, 2,20 m hoch. Die Innenvoliere ist 2,00 m lang, 1,00 m breit, 2,50 m hoch. Im Winter befinden sich die Vögel bei Minustemperaturen in der Innenvoliere, die nur mit einem Frostwächter auf eine Temperatur von plus 5 Grad erwärmt wird. Das Nagebedürfnis dieses Edelsittichs ist gering. Seine Lautäußerungen sind in Volierenhaltung kaum wahrnehmbar. Meist sitzen die Langschwanzedelsittiche ruhig auf einem Ast und beobachten das Umfeld. Den Boden suchen sie kaum auf.
Schlussbemerkung:
Eines der 2 großen G nämlich Geduld und Glück, welche auch heute noch in der Vogelzucht unabdingbar sind, haben zu diesem großartigen Zuchterfolg von H. Adamczik geführt. Dieser Zuchterfolg ist die Krönung seiner 45 jährigen Vogelzucht, wie er mir berichtete. Da sich nur wenige Vögel in deutsche und europäische Volieren befinden, mit Importen aus bekannten Gründen nicht mehr zurechnen ist, sollten alle Halter dieses Edelsittichs sich verstärkt um Nachzuchten bemühen. Es liegt in der Hand aller Halter die Bestände in Züchterhand zusichern. Auch Rückschläge sollten wie dieses Beispiel zeigt, die Halter nicht entmutigen. Es wäre ein herber Verlust, wenn dieser anmutige Vogel eines Tages aus unseren Volieren verschwindet.
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